Klöster in Lübeck

as Zisterzienserinnenkloster St. Johannis – De witten süsteren
Schon bald nach der Gründung Lübecks wurde 1177 das Johanniskloster des altehrwürdigen Benediktinerordens angelegt. Es nahm auch Frauen auf. Schließlich nahm die Obrigkeit an deren vergnüglichen aber regelwidrigen Leben Anstoß und verlegte 1247 die Mönche nach Cismar, wo sie ein neues Kloster gründeten.

Die restlichen Frauen traten dem hier neu gegründeten Zisterzienserinnenkloster mit demselben Patrozinium St. Johannes bei. Der strengere Orden Sacer Ordo Cisterciensis (SOCist) nahm seinen Ausgang Ende des 11. Jh. von dem ursprünglich benediktinischen Reformkloster Cîteaux.
Es wurde aber weniger ein religiöses oder gar geistiges Zentrum der Stadt als vielmehr eine Versorgungsanstalt für Adelige, besonders aber für Frauen der Lübecker Oberschicht, denn nur sie konnten sich den teuren Einkauf leisten. Es hatte ca. 70 Plätze. Die Nonnen lebten gemäß der Benediktinerregel in Klausur, d. h. sie durften das Kloster nicht verlassen und Außenstehende nicht hinein. Der Nonnenchor war vom Laienteil der Kirche nicht einsehbar.
Doch Anstoß erregte die Nichtbeachtung des Armutsgebots. Die Nonnen waren von ihren Angehörigen mit mehr oder minder großen Renten ausgestattet worden, lieferten das Geld nicht an die Klosterkasse ab, sondern übergaben es der Äbtissin nur zur Aufbewahrung. Sie behielten unbeschränktes Eigentum daran und konnten es sich jederzeit auszahlen lassen.
Leiterin war eine Äbtissin im Bischofsrang. Für 1449 ist eine Gertrud Slüters nachgewiesen. Zur gottesdienstlichen Versorgung wählte der Konvent die Priester selbst, doch hatte das Domkapitel ein weitgehendes Aufsichtsrecht. Zwei vom Rat bestellte Provisoren oder „Vormundere“ vertraten das Kloster allein in allen weltlichen Angelegenheiten, denn die Nonnen selbst waren nicht geschäftsfähig. Zu seiner Versorgung war das Kloster mit zahlreichen Ländereien begütert u. a. mit Wulfsdorf, Beidendorf, Blankensee, Kücknitz, Schattin, Utecht….
Heute existiert dieses Kloster noch als St.-Johannis-Jungfrauenstift.
Das Franziskanerkloster St. Katharinen – De minnere brodere

Mindere Brüder, Ordo Fratrum Minorum (OFM). Sie gehören zu den Bettelorden und suchen das Evangelium durch Askese, besonders durch Armut, und durch apostolische Arbeit in Seelsorge und Mission in Städten.
Alle fußen auf der Regel des heiligen Franz von Assisi von 1223. Aber es herrschten heftige Streitigkeiten innerhalb des Ordens um das Armutsideal, die zu den Gruppierungen der Spiritualen, Observanten und Konventualen führten. In den innerfranziskanischen Streitigkeiten des 15. Jahrhunderts um die Observanzbewegung stand das Lübecker Kloster auf der Seite der weniger strengen Konvente, ohne jedoch Teil des Konventualen-Zweigs im Orden zu werden. Den Leiter eines Franziskanerkonventes nennt man Guardian.
Seit 1225, in einer Zeit heftiger Ausbreitung der Franziskaner, waren sie auch in Lübeck ansässig. Das Kloster gehörte zur Ordensprovinz Sachsen, die sich von der Weser bis Preußen erstreckte. Sie gliederte sich in zwölf Kustodien mit je einem Kustos als Leiter, darunter auch die Lübecker Kustodie, zu der insgesamt elf Konvente gehörten.
Der Lübecker Konvent betrieb eine regelmäßige Essensausgabe an die Armen, auch eine öffentliche Bibliothek. Durch ihr karitatives und seelsorgerisches Engagement, durch ihre lebendige Jesus- und Marienfrömmigkeit gewannen die Minderbrüder, die Forschung rechnet mit etwa 50 Mitgliedern, unter den Bürgern viele Anhänger.
Auch der Rat hatte zu ihnen ein besonderes Vertrauensverhältnis. Hatte doch die höchstangesehene Lübecker Korporation, die Zirkelgesellschaft, ihre Kapelle und ihren Altar bei ihnen in der Katharinenkirche.
Prominente Franziskaner:
- Bonaventura
- Johannes Duns Scotus
- Berthold von Regensburg
- Johannes von Capistrano
Das Dominikanerkloster St. Marien-Magdalenen – De predekers

Ordo fratrum praedicatorum, OP. Vom heiligen Dominicus 1216 in Toulouse gegründeter Bettelorden zur Ausbreitung und Verteidigung des Glaubens durch Predigt und Unterricht. Die Dominikaner gehörten besonders wegen der ihnen übertragenen Leitung der Inquisition zu den einflussreichsten Orden des Mittelalters.
Die Brüder haben in ihren Konventen methodisch und professionell zu studieren, weil Predigt ohne dem nicht sein kann. Sie nahmen zahlreiche Lehrstühle an den Universitäten ein. Der Leiter eines Dominikanerkonvents nennt sich Prior.
Wo die Franziskaner waren, gingen meistens auch die Dominikaner hin und umgekehrt. Sie standen in einem Konkurrenzverhältnis zueinander.
Schon 11 Jahre nach Gründung des Ordens und gleich nach dem Sieg norddeutscher Fürsten und Städte über Waldemar II., König von Dänemark, am St. Marien-Magdalen-Tag, 22. Juli 1227 bei Bornhöved, stiftete die Stadt an der Stelle der dänischen Burg ein Kloster, daher auch Burgkloster, und übergab es 1229 den Dominikanern.
Mit der Pflege von Theologie und Predigt brachten die Dominikaner ein neues Element in das kirchliche Leben der Stadt. Bestandteile des Klosters waren ein stattliches Beichthaus und ein Hospital für die Öffentlichkeit. Wie die Franziskaner fanden sie bei den Bürgern freudige Aufnahmebereitschaft, während Kapitel und Bischof beiden Orden mit Misstrauen begegneten, weil sie ihnen in ihrer Domäne, der Pfarrversorgung der Stadt, unliebsame Konkurrenz machten.
Da die Bettelorden nicht an Besitztümern und Rechten hingen und überhaupt nicht an geistlicher Herrschaft, sondern auf Dienst im Geiste Christi aus waren, bildeten sie für die Bürger in ihrem Kampf um kirchliche Verselbständigung willkommene Bundesgenossen. Das Domkapitel hatte auf die Tätigkeit der beiden Bettelordensklöster keinen Einfluss, geschweige denn auf ihre innere Organisation.
1531 wurde das Marien-Magdalenen-Kloster in ein Armenhaus umgewandelt.
Prominente Dominikaner:
- Albertus Magnus
- Thomas von Aquin
- Meister Eckard
- Johannes Tauler
- Heinrich Seuse
Quellen:
- Großer Brockhaus, 18. Aufl. Wiesbaden 1977-1981.
- Lübeckische Geschichte, Hr. Antjekathrin Grassmann, Lübeck 2008.
- Mönchtum, Orden, Klöster von den Anfängen bis zur Gegenwart: ein Lexikon, Hr. Georg Schwaiger, München 1993.
- Wilhelm Suhr, Die Lübecker Kirche im Mittelalter, Lübeck 1938.
- Wolf-Dieter Hauschild, Kirchengeschichte Lübecks, Lübeck 1981.



