Blumen im 15. Jahrhundert in und um Lübeck

enötigte man im Mittelalter Blumen, so lag es nahe, dass man sie sich aus der Natur holte. Heute verbietet das Bundesnaturschutzgesetz das Blumenpflücken grundsätzlich, insbesondere bei geschützten Pflanzen.
Allerdings gibt es eine Ausnahme: Die Handstraußregel. Demnach darf jeder „wildlebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.“ Das gilt nicht für besonders geschützte Arten – hier mit „§“ gekennzeichnet. Mehr dazu.
Duft, Symbolik und Zauberei
In der zeitgenössischen Literatur wurden am häufigsten Rosen, Lilien, Veilchen und Akeleien genannt. Man legte damals viel Wert auf den Duft. Viele Arten hatten auch symbolische Bedeutung. Manche dienten dem Aberglauben und der Zauberei.
Zierpflanzen
Hier eine kleine Auswahl von Arten, die man als Zierpflanzen gebrauchen kann und die um Lübeck ursprünglich heimisch sind. Sicherlich hat man damals auch schon einige davon in Gärten gehabt.
- Eibe, Taxus baccata (sehr giftig) §
- Waldkiefer, Pinus sylvestris
- Gemeiner Wacholder, Juniperus communis
- Maiglöckchen, Convallaria majalis, giftig
- Sumpf-Schwertlilie, Iris pseudacorus §
- Ruchgras, Anthoxantum odoratum
- Weiße Seerose, Nymphaea alba §
- Große Mummel, Nuphar lutea §
- Scharfer Hahnenfuß, Ranunculus acris
- Leberblümchen, Hepatica nobilis §
- Klatschmohn, Papaver rhoeas
- Ackerstiefmütterchen, Viola tricolor
- Märzveilchen, Viola odorata
- Salweide, Salix caprea (Osterpalmen)
- Besenheide, Calluna vulgaris
- Schaftlose Schlüsselblume, Primula vulgaris = P. acaulis §
- Wiesen-Schlüsselblume, Primula veris §
- Walderdbeere, Fragaria vesca (Bodendecker)
- Hundsrose, Rosa canina
- Scharfer Mauerpfeffer, Sedum acre
- Efeu, Hedera helix
- Stechpalme, Hülse, Ilex aquifolium (giftig) §
- Mistel, Viscum album
- Wald-Vergißmeinnicht, Myosotis silvatica
- Rundblättrige Glockenblume, Campanula rotundifolia
- Acker-Glockenblume, Campanula rapunculoides
- Nesselblättrige Glockenblume, Campanula trachelium
- Gänseblümchen, Bellis perennis
- Acker-Hundskamille, Anthemis arvensis
- Wiesen-Margerite, Chrysanthemum leucanthemum
- Rainfarn, Tanacetum vulgare
- Jakobs-Kreuzkraut, Senecio jacobaea
- Kornblume, Centaurea cyanus
- Herbst-Löwenzahn, Leontodon autumnalis
- Löwenzahn, Butterstecker, Taraxacum officinale
Diese Pflanzen gab es im Mittelalter hier noch nicht
Aber nicht alles, was heute hier wild wächst, tat das auch schon immer. Der Mensch hat, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, besonders in der Neuzeit die Verbreitung von Arten ferner Länder in der freien Landschaft verursacht. Z. B. kamen im Mittelalter hier noch nicht vor:
- Kartoffel-Rose, Rosa rugosa – NO-Asien
- Vielblütige Lupine, Lupinus polyphyllus – N.-Amerika
- Drüsiges Springkraut, Impatiens glandulifera – Himalaya
- Gewöhnliche Nachtkerze, Oenothera biennis – N.-Amerika.
- Herkulesstaude, Heracleum mantegazzianum – Kaukasus
- Mutterkraut, Tanacetum parthenium – Balkan, Kaukasus
- Kanadische Goldrute, Solidago canadensis – N.-Amerika
- Neuenglische Aster, Aster novae-angliae – N.-Amerika
Sucht man mittelalterliche Blumen, sollte man keine Pflanzen aus Gärten und Parks, nichts vom Blumenhändler und nichts Angepflanztes nehmen, solange man sich nicht auskennt; denn das meiste stammt entweder aus anderen Ländern oder ist durch Züchtung stark verändert – oder beides zugleich.
Gartenpflanzen im Mittelalter
Doch bereits im Mittelalter gab es Gartenpflanzen, die hier sonst nicht wild vorkommen und von denen einige sogar durch Zucht verändert waren z. B. durch mehr oder weniger gefüllte Blüten. Zwar für Lübeck im Einzelnen nicht nachgewiesen, in Mitteleuropa aber doch allgemein bekannt waren die folgenden. Diese Liste dürfte ziemlich vollständig sein:
- Herbstzeitlose, Colchicum autumnalis, giftig
- Türkenbundlilie, Lilium martagon §
- Feuerlilie, Lilium bulbiferum
- Weiße oder Madonnenlilie, Lilium candidum
- Schneeglöckchen, Galanthus nivalis
- Märzbecher, Leucojum vernum §
- Gelbe Narzisse, Osterglocke, Narcissus pseudonarcissus
- Weiße Narzisse, Nacissus poeticus §
- Deutsche Schwertlilie, Iris germanica §
- Bunte Schwertlilie, Iris variegata §
- Gemeine Akelei, Aquilegia vulgaris §
- Blauer Eisenhut, Aconitum napellus, sehr giftig
- Acker-, Feldrittersporn, Consolida regalis (=Delphinium consolida)
- Gartenrittersporn, Consolida ajacis (=Delphinium ajacis =Consolida ambigua)
- Bartnelke, Dianthus barbatus
- Vexiernelke, Lychnis coronaria
- Federnelke, Dianthus plumarius
- Garten-Pfingstrose, Bauernrose – Paeonia officinalis ‘Rubra plena‘
- Gemeine Nachtviole, Hesperis matronalis
- Levkoje, Matthiola incana
- Goldlack, Cheiranthus cheiri
- Gartensilberblatt, Lunaria annua
- Echter Eibisch, Althaea officinalis §
- Buchsbaum, Buxus sempervirens
- Essigrose, Apothekerrose, Rosa gallica ‘Officinalis‘
- Essigrose, Rosa gallica ‘Versicolor’
- Weiße Rose, Rosa × alba ‘Semiplena’
- Weiße Rose, Rosa × alba ‘Maiden’s Blush’
- Weiße Rose, Rosa × alba ‘Maxima‘
- Kleines Immergrün, Vinca minor
- Blaue Himmelsleiter, Polemonium caeruleum §
- Großes oder Gartenlöwenmaul, Antirrhinum majus
- Ringelblume, Calendula officinalis
Man hat auch schon blühende Erbsen als Zierpflanzen gesehen; oder waren sie symbolisch gemeint?
Literatur und Quellen:
- Fukarek, Franz und Heinz Henker, Flora von Mecklenburg-Vorpommern, Hg. Heinz Henker und Christian Berg, Jena, 2006.
- Hennebo, Dieter, Die Gärten des Mittelalters, München und Zürich, 1987.
- Köhlein, Fritz, Schöne Rittersporne, Stuttgart, 1992.
- Krüssmann, Gerd, Rosen Rosen Rosen, Berlin und Hamburg, 1974.
- Oberdorfer, Erich, Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Stuttgart, 1979.
- Raabe, Ernst W., Atlas der Flora Schleswig-Holsteins und Hamburgs, Hg. K. Dierßen und U. Mierwald, Neumünster, 1987.
- Rothmaler, Werner, Exkursionflora für die Gebiete der DDR und der BRD, Kritischer Band, Berlin, 1976.
- https://www.bundesumweltministerium.de/themen/artenschutz/artenschutz-durch-den-buerger/darf-ich-blumen-pfluecken
- Bild: Martin Schongauer, Studies of Peonies, about 1472–1473, The J. Paul Getty Museum, Los Angeles, 92.GC.80, gemeinfrei: https://www.getty.edu/art/collection/object/103R6M



